Woran erkenne ich eine originale Louis Vuitton Alma?


Zunächst einmal möchte ich gerne auf die Geschichte dieser besonderen Tasche eingehen, damit verdeutlicht wird, wie ikonisch und klassisch dieses Modell ist. Wie die meisten Louis Vuitton Modelle ist sie Teil einer Genealogie und ist seit ihrer Erfindung nicht mehr aus dem Sortiment zu denken. Vor allem das Monogram Canvas Design ist ein wahrer Hingucker mit Tradition. Tauchen sie ein in die kleine Welt einer wahren Kulttasche: 


Der Vorfahre der uns bekannten Alma ist die Sac  à linge aus dem Jahr 1892. Diese Tasche wurde überwiegend als Wäschesack genutzt um Kleidung zu transportieren.  Zusammen mit ihrem Vorfahren der Sac de nuit (1892), einem sogenannten "trunk", welcher als Koffer diente, entstand 1901 die Steamer bag. Ihr Name kommt daher, dass sie oft auf Reisen mit Dampfschiffen getragen wurden. Diese Tasche war schon viel flacher und handlicher und konnte so auch gut im Kofferraum oder auf der  Hutablage in den Zügen mitreisen.  Aus dieser Tasche entstand daraufhin im Jahr 1992 die Alma und 2006 die Lockit. (Aus der Steamer bag entstand 1934 noch die Squire bag, aus welcher ca.1955 die Sac Champs-Elysées und ca. 1950 die Sac Marceau aufkamen. Aus der Steamer bag ging zudem zunächst die Sac Fourre-tout im Jahr 1958 und anschließend 2006 die Lockit und im selben Jahr die Lockit vertical heraus). Die Maße der Alma waren 1992 32.6 x 25 x 15.3 cm und sie stammt aus der Louis Vuitton Collection.


Da sowohl die Lockit, als auch die Alma als Handtaschen für Reisen entwickelt worden sind, besitzen beide Modelle einen Reißverschluss und können mit einem Schloss versehen werden. Beide Taschen gelten als Ikonen, sodass es die Alma seit ihrer Erfindung in Monogram Canvas, Epi Leder, Damier, exotischem Leder, Schafsfell, bunten Farben und außergewöhnlichen Designs von Takashi Murakani gibt. Sie hat einen Boden, der dem der Noe ähnelt und Henkel die der Speedy ähnlich sind. Benannt wurde sie nach dem Place de l’Alma, da dieser eine Adresse für luxeriöse Artikel in Paris ist.

 

Beide Handtaschenmodelle machten im Laufe der Zeit eine Wandlung zur „Citybag“ durch und wurden immer mehr zur Ikone der Stadt. Sowohl die Alma, als auch die Lockit gibt es in mehr als 60 Ausführungen. 

 

Aber auch die Alma ist die „Mutter“ weiterer Modelle. Ihre Verschmelzung mit der Sac Plat aus dem Jahr 1968 brachte im Jahr 2012 die Deésse hervor. Aus der Kombination von Alma und Neverfull (2007) entstand im Jahr 2007 die Biker


Wir sehen, dass diese Handtasche immer wieder Wandlungen durchgemacht und somit eine unglaubliche Anzahl an Ausführungen hervorgebracht hat. Da es unmöglich ist auf jedes einzelne Modell einzugehen, werden wir uns zunächst einmal auf die bekannteste Alma MM ( M40878 ) in Monogram Canvas konzentrieren:



Schön und gut, aber woher weiß ich denn nun ob meine Alma ein Original ist?


 

Beginnen wir mit der Analyse des Canvas. Schau dir genau das Muster auf dem linken Bild an, genauso muss auch deines Verlaufen. Und mit genauso, meine ich wirklich genauso! Keine Blüte, kein LV darf abweichen. 

 

In der Mitte (genau in der Mitte!) beginnt das Muster mit einem LV, es folgt eine Blüte untendrunter, dann wieder ein LV, dann wieder eine Blüte, dann wieder ein LV und dann ganz unten am Boden sieht man noch die Spitze der letzten Blüte.  

 

Genauso wie oben beschrieben solltest du das gesamte Muster durchgehen, natürlich auf beiden Seiten. Niemals (!) ist ein LV angeschnitten und niemals ist das Muster krumm abgeschnitten oder schief vernäht. Die Taschen haben ihren Preis und das hat einen Grund. Perfektion :)

 

Nach diesem Schritt ist es sinnvoll zu schauen ob denn auch das Leder an der richtigen Stelle angebracht ist. Natürlich auch ob es ordentlich vernäht ist und das Muster an den richtigen Stellen bedeckt. 

 

Wenn du auf das linke Bild schaust, siehst du, dass die Lederteile des Riemens das Muster genau symmetrisch schneiden, stell dir am besten vor in der Mitte der Alma ist ein Spiegel, sodass beide Seiten identisch sind. Die meisten Fakes fallen bei diesem simplen Test schon durch.

 


Next one: Patina, oh Patina.


Was ist überhaupt eine Patina? Eine Patina ist eine Oberfläche die durch die Alterung ein neues Aussehen gewonnen hat. Bei Louis Vuitton Taschen nimmt meistens das unbehandelte Leder eine Patina an, diese entsteht durch Reinigung, Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit usw. Aber auch Metalle neigen dazu eine Patina zu entwickeln. So bilden die Nieten, Reißverschlüsse oder Schlösser einen Grauschleier oder sogar eine grüne Kruste. Diese ist manchmal sogar ein sehr gutes Indiz für die Originalität der Tasche, da sie auf hochwertige Metalle und kein eingefärbtes Plastik hinweist. Diese Metalle blättern auch nicht ab und sind fast immer komplett sauber zu bekommen. Wir benutzen gerne diese Mittel für die Reinigung:

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Beachte bitte, dass es ein recht aggressives Reinigungsmittel ist und immer Handschuhe getragen werden sollten. Es darf auf keinen Fall das Leder berühren. Erfahrungsgemäß kann man es schnell vom Canvas abwischen, allerdings sollte das auch unbedingt vermieden werden. Zur Reinigung des Messings haben wir allerdings einen eigenen Blogbeitrag.

 

Zu Beginn ist die Patina immer sehr hell. Auf diesem Bild ist sie schon etwas "gebräunt" und hat eine gleichmäßige Patina ohne Flecken angenommen.  

Je nach Pflege und Gebrauch nimmt sie eine immer dunklere Farbe an. Das liegt an dem unbehandelten Leder, das die Eigenschaften der Haut beibehält. Das bedeutet, wenn man es nicht pflegt wird es trocken und rissig. Wenn es viel Sonne ausgesetzt wird, dunkelt es schneller an.  Wenn man es  aber gar nicht benutzt, braucht man es auch nicht ;P 

Wir konnten bei den meisten Almas beobachten, dass der äußere Rand etwas dunkler wird als der innere. Das ist natürlich kein Muss, aber ein kleines Indiz. 



Passt die Oxidation zu dem Rest der Tasche? Wenn die Metallteile aussehen wie neu, aber der Rest der Tasche schon sehr abgenutzt und dunkel ist, kann es bedeuten, dass der Vorbesitzer eigenartigerweise nur das Messing gepflegt hat oder, und das ist wohl der wahrscheinlichere Fall, dass die Tasche kein Original ist und keine hochwertigen Metalle benutzt wurden, sondern Plastik oder ähnliches. Zugegeben ist dieser Fall sehr selten, da das Plastik als erstes den Geist aufgeben würde, denn es splittert meistens sehr schnell ab, aber dennoch ist der Zusammenhang der gesamten Patina der Tasche wichtig.

 

Das Messing einer originalen Alma nimmt einen Grauschleier an und wird etwas gründlich, es kann sogar sein, dass sich eine richtige grüne Kruste um die Nieten bilden. Nicht schön, nicht selten, aber ein gutes Indiz für die Originalität.

 

 



Der Innenraum.


Die Alma hat eine Innentasche, die mit einem Lederrand und einer gelben Naht abgesteppt ist. Der Innenraum ist aus Baumwolle und fühlt sich dementsprechen "weich", also nicht nach Plastik an. Auch der Innenraum der Innentasche ist aus Baumwolle. In dieser befindet sich auch der Datecode. 


Was zusammen soll, braucht Nähte.



 

 Schau dir mal ganz genau an wie diese Nähte aussehen. Jedes Loch ist gleichweit voneinander entfernt. Der Faden wird mit Bienenwachs behandelt und erhält dadurch einen schönen gelben Ton. Oft treffen Fälschungen nicht den richtigen Geldbton, da sie das Garn einfärben.  Die Naht ist gerade und sorgfältig verarbeitet.  

 

Ein weiterer Tipp ist es, die Nähte zu zählen. Auf dem linken Bild ist das Lederteil mit genau 5 Nähten am oberen Rand, mit 4 Nähten an den äußeren Rändern und nach unten mit 5 Nähten versehen. Wenn deine Alma nicht so genäht ist, könnte sie eine Fälschung sein. 



Datecode.


 

Der Datecode befindet sich im inneren Fach im Inneren der Tasche. Er ist sauber und ordentlich auf ein Stück Leder gestanzt. Dieses Leder hat meistens kaum eine Patina, da es sich im Inneren der Tasche befindet und kaum Kontakt zu äußeren Einflüssen hat.  Achte darauf ob die Schrift zu dir gerichtet gedruckt ist und nicht zur Tasche zeigt.

 

Die ersten Buchstaben sind der Ländercode. VI und BA stehen für Frankreich, die Zahlen müssen wie folgt gelesen werden:  Von 1990- 2007 MJMJ (Monat Jahr Monat Jahr), also

 

VI0954 wäre

 

VI(Frankreich)

0 (erste Zahl des Monats)

9 (erste Zahl des Jahres)

5 (zweite Zahl des Monats)

4 (zweite Zahl des Jahres)

 

-> Die Tasche wurde im Mai 1994 in Frankreich produziert.

 

Taschen die ab 2007 produziert wurden sind etwas genauer in der Woche. Hier gilt WJWJ ( also Woche Jahr Woche Jahr). 


Und zum guten Schluss.


Erfahrungsgemäß ist es leider fast immer so, dass wenn dir etwas an deiner Alma komisch vorkommt (Nähte reisen ohne Grund etc.), es sich so gut wie immer um eine Fälschung handelt. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, aber überlege dir gut wo du deine Tasche kaufst. Aus diesem Grund bieten wir immer ein 14 tägiges Rückgaberecht, damit du mit deinem besten Gewissen die Tasche prüfen kannst. Gehe zu einem LV Store, schaue dir dort die Modelle an und kauf sie nur wenn du ein gutes Gefühl hast. Auch wir sind sehr streng in der Qualitätssicherung und kaufen daher Taschen auch nicht nach belieben und penibler Prüfung an. 

 

PS.: Wenn eine Alma weniger als 200 Euro kostet, wurde sie entweder überfahren oder ist nicht echt ;)

 

 


 

Quelle: Marc Jacobs, Rei Kawakubo, Valerie Steele, Rei Hata: Louis Vuitton City Bags, A Natural History, 2013. https://amzn.to/2E7XIKC*

 

 

 

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