• Jakob und Jäger

Woran erkenne ich eine originale Louis Vuitton Handtasche?

Zunächst einmal ist es wichtig klarzustellen, dass es niemals ein einziges sicheres Indiz dafür gibt ob die Tasche ein Original ist. Das bedeutet, man muss mehrere Faktoren kennen die für oder gegen ein Fake sprechen und die Handtasche dementsprechend analysieren.



Weder eine Rechnung, Staubbeutel oder gar ein bestimmtes Merkmal können euch die Sicherheit geben. Denn ihr müsst euch immer bewusst sein, dass gerade Papiere sehr leicht kopiert werden können. Daher kann eine Rechnung nur ein Indiz, aber keine Garantie auf die Echtheit sein. Für aktuelle Modelle kann es in manchen Fällen natürlich Sinn machen sich die Rechnung anzusehen, allerdings verfügen Vintage-Handtaschen nur in den seltensten Fällen eine. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Rechnung über 20 Jahre hinweg erhalten wurde, zumal vermutlich die wenigsten Käufer/-rinnen die Notwendigkeit sahen die Rechnung sorgfältig aufzubewahren oder sie durch einen mehrfachen Wiederverkauf nicht mehr auffindbar geworden ist. Ebenso kann auch eine gefälschte Handtasche in einem originalen Staubbeutel versendet werden. Daher ist der entscheidende Aspekt die Tasche selbst.




Kennt man die wesentlichen Merkmale einer originalen Louis Vuitton Tasche, fällt es einem einfacher offensichtliche Fakes zu identifizieren. Wobei das beste Mittel zur Identifikation von höherwertigen Fakes die Erfahrung ist. Diese erlangt man ausschließlich durch den regelmäßigen Umgang mit diesen Taschen. Denn der Gesamteindruck ist entscheidend: Wie fühlt sich die Tasche an? Schauen Nähte hervor, ist das Canvas oder das Leder abgenutzt und wenn ja, wie? Glänzt die Tasche stark, riecht sie extrem nach Plastik usw. Je mehr Louis Vuitton Taschen man in der Hand gehalten hat umso vertrauter wird man mit der Qualität und kann damit auch ganz einfach das Original von der Fälschung erkennen.

In der nachfolgenden Anleitung sind diese besonderen Merkmale erläutert. Wenn ihr diese Hinweise beherzt, werdet ihr in der Lage sein die meisten Fakes zu identifizieren. 


1. Monogram

Bei dieser Anleitung liegt der Focus auf dem gängigsten Muster bei LV-Taschen. Dem ikonischen Monogramm:

Das LV-Logo, die Blüten und Kreise des Monogram Musters sind senffarben. Fakes treffen oft nicht den richtigen Farbton (z.B. leuchten grellgelb).

Die Muster sind nicht als Volldruck aufgebracht. Bei genauer Betrachtung enthält das Druckbild diagonale Streifen ohne Farbe die von unten links nach oben rechts verlaufen.


Falsche Taschen sind oft vollflächig bedruckt oder zeigen ein punktartiges Druckmuster.


Das Monogram folgt in der Diagonalen dem Muster LV-Logo - Blüte - Kreisblüte - Blüte - LV-Logo. Zudem beginnt und endet die Musterfolge so gut wie immer mit demselben Element.


Es kursiert das Gerücht, dass das LV-Logo bei originalen Taschen niemals auf dem Kopf steht. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Bei Modellen wie z.B. der Speedy oder der Keepall ist dies durchaus normal. Da der Rumpf dieser Modelle aus einem Stück geschnitten wird, steht das Logo auf einer Seite der Tasche auf dem Kopf.


Bei echten LV-Taschen wird das Monogram Muster sehr genau positioniert. So wird bei den meisten Modellen das LV-Logo nicht geschnitten. Die Schnitte der Tasche verlaufen meistens über die Blüten. Das Muster ist dabei stets symmetrisch auf der Tasche angebracht. Betrachtet man beispielsweise das Muster an der linken Schnittkante einer Tasche, wird exakt das gleiche Muster mit der gleichen Positionierung auch an der Rechten Schnittkante zu finden sein.




Das gleiche gilt für Muster entlang des Reisverschlusses. Das Muster links und rechts des Reisverschlusses ist so sorgfältig positioniert, dass sich das Muster entlang des Reisverschlusses spiegelt. Soweit es die Formgebung der Tasche zulässt, verläuft das Muster perfekt parallel zu den Kanten und setzt sich sogar über die Kante hinweg fort.


Im oben stehenden Absatz wird bewusst das Wort „meistens“ verwendet. Denn es existieren Ausnahmen von diesen Regeln. Für die meisten Fälle treffen sie jedoch zu. Besonders Taschen aus den frühen 1980er Jahren und vor allem noch ältere Taschen berücksichtigen diese Regeln nicht immer.

Welche diese Ausnahmen sind, soll an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden, da sie wirklich selten sind. Leser könnten durch eine solche Erklärung dazu verleitet werden zu glauben, dass es sich bei einer Tasche um genauso eine Ausnahme oder eine Tasche von vor dem Jahr 1980 handelt. Ohne die nötige Erfahrung kann diese Annahme gefährlich sein. Deshalb ist es für ungeübte Käufer und Käuferinnen besser diese Ausnahmemodelle von einem Experten prüfen zu lassen.




2. Canvas

Anders als oft angenommen besteht der Rumpf von Monogram Canvas Taschen nicht aus Leder, sondern aus Vinylgetränkten Segeltuch (Canvas).

Das Canvas einer originalen Handtasche ist sehr robust und widerstandsfähig gegen Abreibungen und Verschmutzungen. Bei den meisten Fakes glänz das Canvas stark und reflektiert.


Wie auf der Abbildung zu sehen, hat das Canvas eine gleichmässige Struktur und ein eher mattes Finish.





3. Datacode/ Date-Code

Die meisten Taschen, die nach dem Jahr 1980 hergestellt wurden sind mit einem Date-Code versehen (es gibt Ausnahmen von der Regel wie z.B. die Mini Papillon, die zusammen mit der Papillon kommt und über keinen Datacode vefügt). Die Zusammensetzung der Zahlen und Buchstaben gibt euch Informationen über den Herstellungsort und das Herstellungsdatum. Dementsprechend ist der Code keine einmalige Nummer, sodass mehrere Taschen den gleichen Code haben können.

Die Buchstaben des Codes stehen hierbei für den Produktionsort. Bei älteren Modellen steht die 1. und 3. Zahl für den Produktionsmonat und die 2. und 4. Zahl für das Produktionsjahr. Die neueren Modelle weisen mit der 1. und 3. Ziffer auf die Kalenderwoche der Herstellung und die 2. und 4. Ziffer auf das Produktionsjahr hin.

Der Code befindet sich häufig an einer eher unzugänglichen Stelle einer Tasche. Je nach Modell ist er direkt in das Material der Tasche eingeprägt oder in eine Lederlasche eingenäht.

Das für mich wichtigste am Datacode ist, die Information über das Alter der Tasche mit dem ich den Zustand ebendieser vergleiche und daraus schließe ob das Äußere den Jahren entsprechen kann.



4. Modell-Nummer

Die Modellnummer ist nicht auf der Tasche zu finden. Sie ist lediglich auf der Rechnung und auf der Homepage von Louis Vuitton ausgewiesen. Diese Nummer ist wie eine Artikelnummer zu verstehen, die ein Modell eindeutig identifiziert.

Die Modellnummer einer Alma lautet Beispielweise M53151. Die Nummer beginnt meistens mit einem M gefolgt von 5 Ziffern. Bei manchen Modellen beginnt diese Nummer auch mit einem N.

Da die Nummer nur auf der Rechnung auftaucht hat sie für die Identifizierung von Fakes keine große Bedeutung.

Kennt man die Nummer von einer gesuchten Tasche kann sie sehr hilfreich für eine Internetrecherche sein.




5. Stamp

Jede Tasche hat eine LV Prägung. Achtet darauf, dass diese gerade und natürlich ohne Rechtschreibfehler ist. Sie lässt sich so gut wie immer auch erfühlen.

Die Trousse Toilette hat anstatt dem Stempel eine Stofflasche mit dieser Aufschrift.


6. Leder

Die Lederteile der Canvas Taschen bestehen aus einem ungefärbten Leder. Da auf Farbe verzichtet wird und Leder ein Naturprodukt ist, kommen nur makellose Häute ohne Flecken und Narben zum Einsatz. Viele Fälschungen sind bei der Auswahl des Leders weniger kompromisslos, sodass sie gefärbtes Leder verwenden oder sogar Kunststoff. Dieses hat jedoch vollkommen andere Eigenschaften.

Das naturbelassene Leder von LV-Taschen ist bei neuen Taschen sehr hell beige. Durch Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit und Wärme ändert sich die Farbe des Leders in ein Braun und wird mit der Zeit dunkler. Diese Verfärbung wird als Patina bezeichnet. Durch die fehlende Behandlung des Leders ist es offenporig. Ein Wassertropfen zieht sofort ins Leder ein. Gefärbtes Leder bildet keine Patina und Wassertropfen ziehen (wenn überhaupt) nur langsam ein. Das Leder einer echten LV-Tasche riecht typisch nach Leder.

<- Die gleichmäßige honigfarbene Patina mit einigen Wasserflecken am Rand.

Nicht nur bei der Auswahl des Leders, sondern auch bei der Verarbeitung ist LV kompromisslos. Sie ist stets einwandfrei. Was es damit auf sich hat, erkennt man am besten in Vergleich mit Fälschungen. Oft versagen Fälscher bei den Henkeln von Modellen wie z.B. Alma, Speedy, Keepall. So werfen die Innenseite der Henkel dieser Modelle bei Fälschungen oft Falten. Auch das kleine Dreieck, welche den Henkel abschließt ist oft wellig. Bei originalen Taschen ist die Oberfläche der Henkel absolut falten- und wellenfrei.

Die meisten Flachen Lederteile haben eine Prägung die perfekt Parallel zum Rand verläuft. Der Abstand dieser Prägung zum Rand ist stets der gleiche.



7. Nähte

Die Nähte von originalen Louis Vuitton Taschen werden mit einem senfgelben Faden ausgeführt. Wie alles andere ist auch die Verarbeitung der Nähte makellos. Die Naht wirkt bei Betrachtung wertig und gleichmäßig. Der Lochabstand ist immer gleich, genauso wie der Abstand zum Rand. Besonders an den Übergängen zu anderen Lederteilen erkennt man ob sauber gearbeitet wurde. Das Garn ist wertig und hat eine gewisse Stärke.

Sollte eine Fälschung ähnlich gut verarbeitet sein, kann es trotzdem passieren, dass die Garnstärke nicht zu der Lochgröße passt, sodass die Löcher für das Garn zu groß erscheinen. Auch kann die Farbe des Garns abweichen.

Gerade bei den Nähten lohnt sich ein Blick in die Tasche. Fälschungen sind oft auch daran zu erkennen, dass die Nähte innerhalb der Tasche, im Vergleich zur Außenseite, schlampig verarbeitet sind. Originale Taschen sind auch Inneren makellos verarbeitet.




8. Reisverschluss

Auch originale Reißverschlüsse und weitere Messingteile können nach einiger Zeit anfangen zu oxidieren. Man muss bedenken, dass die Handtaschen Jahrzehnte lang wie neu aussehen können, allerdings benötigen auch sie ein wenig Pflege. Diesbezüglich haben wir auf unserem Youtube Kanal (Jakob & Jäger Second Hand)) schon ein Video, schaut euch das gerne an.

Die älteren Modelle haben ein YKK oder Eclair eingraviert, die neueren ein Louis Vuitton ( LV). Bei gefälschten Louis Vuitton Taschen ist den Produzenten schon einiges eingefallen, was man sonst noch drauf schreiben könnte.

Daher solltet ihr darauf achten ob der Reißverschluss wertig aussieht und sauber eingenäht ist. Oft platzen die Nähte bei Fakes an der Reißverschlussnaht. 



4,339 Ansichten